Rundbrief: Solidarität gegen Entfremdung

Auch in St. Petersburg hinterlässt der Krieg in der Ukraine seine Spuren. Darüber berichten wir in unserem Juni-Rundbrief. Für Perspektivy ist es eine schwierige Zeit. Die Hilfe aus Deutschland bleibt wichtig.

Liebe Freundinnen und Freunde von Perspektiven!

Wir hatten für dieses Jahr große Hoffnungen: Endlich wieder deutsche Freiwillige in St. Petersburg, endlich wieder Begegnungen von Fachkräften, Austausch und Zusammenarbeit in Deutschland und in Russland, nach Corona endlich wieder Kontakt von Angesicht zu Angesicht – ein Wesenskern unserer Arbeit. Doch es ist Krieg und wir können nicht reisen, uns begegnen. Die Freiwilligen mussten Russland im März nach der Hälfte ihrer Dienstzeit wieder verlassen.

Und das ist alles nichts im Vergleich zur Not, den Entbehrungen und Schmerzen, der Trauer und Verzweiflung der Menschen in der Ukraine. Der Krieg Russlands gegen das Nachbarland hat unermessliches Leid für sie gebracht.

„Wir bei Perspektivy wollten immer Frieden und glauben daran, dass alle Probleme durch Verhandlungen und Zusammenarbeit sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Ländern gelöst werden können.“, sagt Maria Ostrovskaja, die Präsidentin von Perspektivy.

Gleich nach Beginn des Krieges hatte Perspektivy zusammen mit vielen anderen russischen NGOs einen Brief an den Präsidenten geschrieben, in dem sie ihn dringend baten, den Konflikt zu beenden.

Perspektivy trägt viel Verantwortung für benachteiligte Kinder und Erwachsene mit Behinderungen, die oft kaum andere Unterstützung haben. Dies gilt besonders für Menschen, die in staatlichen Internaten leben. Gerade diese Menschen werden von der absehbaren Wirtschaftskrise in Russland am stärksten betroffen sein und sie werden vom Staat noch weniger Hilfe als bisher erhalten.

„Wir beobachten, dass sich Spenden für unsere Aktivitäten reduzieren, sowohl von russischen Unternehmen, die Verluste verzeichnen, als auch von russischen Bürgern, die ihre Arbeit verlieren. Wir hoffen, dass die Hilfe unserer deutschen Unterstützer und Freunde nicht aufhört. Für uns ist das sehr wichtig.“, schildert Maria Ostrovskaja die aktuelle Situation.

Der Austausch mit Perspektiven in Deutschland bleibt für sie und alle ihre Mitstreiter*innen von grundlegender Bedeutung: „In unserem Kern waren wir schon immer eine internationale Organisation und werden es auch bleiben. Uns ist es wichtig, von unseren deutschen Partnern zu lernen, ihre Erfahrungen aus der professionellen Sozialarbeit mit Menschen mit Behinderungen zu übernehmen und die gewonnenen Erkenntnisse mit anderen Kolleginnen und Kollegen innerhalb der Russischen Föderation zu teilen. Dies werden wir auch weiterhin tun.“

Und so möchte Maria Ostrovskaja alle Freunde in Deutschland wissen lassen: „Wir sind Perspektiven e.V. und Ihnen allen zutiefst dankbar für die Unterstützung unserer Arbeit und unserer Betreuten, für die Solidarität mit uns, die Sie bewahren, trotz der gesamten Atmosphäre der Feindseligkeit und Entfremdung, in die die Welt jetzt eingetaucht ist.“

Wir von Perspektiven e.V. möchten uns diesem Dank aus vollstem Herzen anschließen.

Wie dieser Krieg auch endet, Russland wird dann immer noch da sein. Veränderungen können letztendlich nur von innen kommen, von den Menschen, die bereit sind ihr Land zu verändern. Es gab und gibt diese tapferen Bürgerinnen und Bürger in Russland, und sie zu unterstützen ist ohne Alternative. Wir sind darum fest davon überzeugt, dass die beste Unterstützung darin besteht, unsere Zusammenarbeit mit Perspektivy fortzusetzen.

Vor 30 Jahren wurde unser Verein gegründet, um sozial benachteiligten Menschen in Russland Perspektiven für ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. An diesem Anspruch hat sich nichts geändert. Dass unsere Hilfe immer noch so sehr gebraucht wird, ist bedrückend. Dass wir sie mit Ihrer Unterstützung immer noch so zuverlässig leisten können, ist wunderbar.

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Mit herzlichen Grüßen 

Ihr Thomas Seifert 

Geschäftsführer von Perspektiven e.V. 

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