Vom Heim ins betreute Wohnen

Es ist vollbracht! Sechs junge Menschen aus dem Psychoneurologischen Internat (PNI) in Peterhof konnten kürzlich in zwei Wohnungen umziehen. 

Diese hat Perspektivy in einem Wohngebiet in St. Petersburg erworben, sie werden gerade noch behindertengerecht ausgebaut. Wie es dazu kam? Mit Beginn der Corona-Pandemie in St. Petersburg evakuierte Perspektivy im April einige Bewohner*innen aus den Heimen, um sie vor dem Virus besser zu schützen. Denn viele von ihnen haben ein schwaches Immunsystem, in den Internaten wechselt das Personal oft. Sie dort zu schützen, ist also sehr schwer. Die evakuierten Bewohner kamen zeitweise in Wohnungen und in den Perspektivy-Tageszentren unter, die wegen der Pandemie schließen mussten. 

„Alle machten bemerkenswerte Entwicklungen,“ sagt Olga Fedorenko, Koordinatorin des Projektes. „Wir konnten uns kaum vorstellen, sie nach dieser Erfahrung wieder ins Heim mit seinen langen Korridoren zurückzubringen. Und einige der Jugendlichen wollten das auch nicht!“ Also war der Entschluss schnell gefasst: Perspektivy startete die Kampagne „Dom na vsegda – Ein Haus für immer“ und sammelte Spenden, um Wohnungen zu kaufen, in denen ein neues Projekt des betreuten Wohnens entstehen sollte. 

Wir von Perspektiven entschieden uns, den Spendenbetrag, der anlässlich der Beerdigung von Margarete von der Borch im letzten Jahr zusammengekommen ist, beizusteuern. Mit 50.000 Euro finanzierten wir anteilig den Kauf der zweiten Wohnung sowie den behindertengerechten Ausbau beider Wohnungen. Wir sind uns sicher, dass das ganz im Sinne von Margarete ist. Damit unterstützen wir eine Entwicklung, die sie ganz sicher gefreut hätte. 

„Wladimir, Polja, Akschin, Pascha, Katja und Sonja leben jetzt noch in einem angenehmen Durcheinander, wie das nach einem Umzug eben so ist“, freut sich Olga Fedorenko. „Gerade diskutieren wir über die Einrichtung der Zimmer, darüber, welche Tapeten an die Wand kommen, über die Bedürfnisse eines jeden.“ Eingezogen sind Menschen, die sehr schwach sind und eine umfassende Betreuung benötigen. „So können wir sie einerseits vor der Corona-Pandemie, die auch in Russland wieder an Fahrt aufnimmt, besser schützen,“ meint Olga Fedorenko. „Andererseits bringen wir die Form des betreuten Wohnens in Russland voran und können zeigen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen, auch wenn diese sehr schwach sind, gut betreut in Wohnungen anstatt in großen Heimen leben können.“ Die Bewohner*innen werden von Sozialarbeiter*innen, einem Physiotherapeuten und Freiwilligen rund um die Uhr betreut.

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