Upsala

Die Mehrzahl an sozialen Einrichtungen der Stadt Sankt Petersburg, die sich mit so genannten „Straßenkindern“ beschäftigen, bieten keine Alternativen zur Straße an. Sie helfen ihnen zu überleben, durch Nahrung, Kleidung und medizinische Notfallbehandlung, aber sie belassen die Straße als den Hauptkommunikationsort und Lebensraum der Kinder. Der UPSALA Zirkus ist ein alternativer Lern- und Lebensort, der Kinder und Jugendliche aus sozialen Risikogruppen mit Hilfe der Zirkuspädagogik wieder in die Gesellschaft eingliedern möchte.

Manege frei

Mit Clownsnasen und Jonglierbällen erkunden die Artisten und Sozialarbeiter des Zirkus die Szenenorte der Stadt. Die Kontaktaufnahme zu den Kindern erfolgt direkt auf der Straße oder über die örtlichen Krisenzentren und Sonderschulen. Die Kinder stammen aus kinderreichen oder mittellosen Familien, in denen die Erwachsenen oft drogenabhängig oder psychisch krank sind. Ihr Lebensraum ist die Straße, wo sie auf der Suche nach Essen, Abwechslung, Anerkennung und Liebe sind. Die Schule besuchen sie, wenn überhaupt, nur selten. Nachts kehren einige in ihre Familien zurück, andere in Heime, Krisenunterkünfte oder in Keller und Dachböden.

In den täglichen Zirkusproben können sich die Kids in Akrobatik, Jonglage, Zauberei, Tanz und Schauspiel ausprobieren. Der Zirkusunterricht gibt den Jugendlichen die Gelegenheit, ihrem Risikobedürfnis auf sozial akzeptable Art und Weise nachzugehen. Ein warmes Abendessen, das sich die jungen Artisten durch Auftritte erarbeiten, ist ein weiterer Anreiz für sie, in den Zirkus zu kommen. Durch das partnerschaftliche Zusammenarbeiten der Kinder, Trainer und Sozialarbeiter im Training und bei den Vorstellungen wächst gegenseitiges Vertrauen. 'Fördern durch Fordern' als Motto der Zirkusarbeit, kann auf dieser Basis funktionieren.
Natürlich muss ein Zirkus auch auf Tournee gehen. Im Herbst 2001 startete die erste Auslandstour zum Jugendzirkusfestival von „Cabuwazi“ nach Berlin. Seitdem kommt UPSALA jedes Jahr nach Deutschland und begeistert dabei immer wieder viele große und kleine Menschen auf wunderbare Weise.

Wozu der ganze Zirkus?

Die Kinder und Jugendlichen lernen im Zirkus eine andere, sie stärkende Umwelt kennen. Er bietet ihnen die Voraussetzungen für eine ganzheitliche Entwicklung. Sie helfen sich gegenseitig in ihrer besonderen Situation und bemerken, dass sie nicht alleine und nicht schuld an ihrem Schicksal sind. Im Zirkus und darüber hinaus werden sie zu den Akteuren ihres Lebens. Die meisten von denen, die schon länger mitmachen, sind in die Gesellschaft reintegriert. Sie wohnen bei ihren Eltern oder in anderen sozialen Institutionen, gehen wieder zur Schule und verbringen ihre Freizeit im Zirkus.

Der Zirkus UPSALA wurde im Jahr 2000 von der Berliner Sozialpädagogin Astrid Schorn ins Leben gerufen. Mit Einrad und Jonglierbällen bepackt, versuchte sie an Petersburger Metrostationen und anderen Treffpunkten vernachlässigte Kinder für Akrobatik und Zirkus zu begeistern, um sie wieder an ein anderes Leben heranzuführen. Inzwischen ist UPSALA als eine gemeinnützige Organisation in Sankt Petersburg registriert. Allerdings bliebe der Vorhang des Zirkus ohne finanzielle Hilfe aus dem Ausland geschlossen. Darum braucht er unsere Unterstützung!

Weitere Informationen über den Zirkus unter www.upsalacircus.ru