Bereg
Der politische und soziale Umbruch in Russland schuf Probleme, unter denen bis heute vor allem vernachlässigte und benachteiligte Kinder leiden. Oft werden sie in staatlichen Heimen untergebracht, die häufig eher Kasernen als einem Zuhause ähneln. Das Sankt Petersburger nicht-staatliche Wohnprojekt Bereg – „Das Ufer“ ist anders. Es wurde 1994 von erfahrenen Praktikern mit dem Ziel gegründet, Kindern und Jugendlichen, die auf der Strasse leben, bzw. von einem solchen Leben bedroht sind, eine Alternative anzubieten.
Wie sieht diese Alternative aus?
In Bereg herrscht eine familiäre Atmosphäre. Betroffene Jugendliche finden hier ein Zuhause auf Zeit. Neben neun festen Plätzen können bis zu zehn Jugendliche tagsüber versorgt und betreut werden. Da Bereg keine geschlossene Einrichtung ist, nehmen Jugendliche die Angebote oft auch nur kurzfristig in Anspruch. Der Aufenthalt ist freiwillig, wobei die Entscheidung für Bereg auch die Anerkennung der dort geltenden Regeln beinhaltet: Absage an Alkohol und Drogen, Schulbesuch oder Ausbildung, Mitarbeit im Haushalt und Teilnahme am Gemeinschaftsleben. Im Vordergrund steht die individuelle Betreuung und Begleitung der jungen Menschen in ihrer Entwicklung zur Selbstständigkeit.
Wie funktioniert diese Alternative?
Ist ein neues Kind oder Jugendlicher in Bereg aufgenommen, werden zunächst seine Lebensumstände betrachtet: Situation der Eltern, Schulbesuch, gesundheitliche und rechtliche Situation usw. Des Weiteren geht es darum, die formalen Rechte der Jugendlichen durchzusetzen, wie z.B. kostenloser Schulbesuch, medizinische Versorgung und ggf. Unterhaltszahlungen. In manchen Fällen muss auch die Verteidigung des Jugendlichen vor einem Gericht oder eine psychotherapeutische Begleitung bei der Überwindung von Drogenabhängigkeit organisiert werden. Es wird immer versucht, die Eltern mit in die Arbeit einzubeziehen, sofern sie aufzufinden und die Jugendlichen damit einverstanden sind. Meistens ist eine Rückkehr in die Familie nicht möglich, in manchen Fällen erweist es sich sogar als notwendig, den Eltern durch ein Gerichtsverfahren das Sorgerecht zu entziehen. Trotzdem ist die Arbeit am Verhältnis zu den Eltern sehr wichtig, um Voraussetzungen und Fähigkeiten zu erwerben, selbstständig zu werden und bessere Beziehungen zu eigenen Partnern oder Kindern aufzubauen.
Funktioniert diese Alternative?
Es bleibt die Sorge darüber, ob die Jugendlichen angesichts ihrer Vergangenheit und der ungewissen Zukunft im Stande sein werden, auf eigenen Füssen zu stehen. Auch wenn einige von ihnen das Übermaß an Problemen nicht bewältigen können, so gibt es inzwischen zahlreiche Hoffnungsträger, die gezeigt haben, dass auch bei schwierigen Ausgangsbedingungen der Weg in ein anderes Leben möglich ist.
Pfarrer Michael Schäfer aus Lebach im Saarland, seit vielen Jahren Mitglied von Perspektiven, kümmert sich im Wesentlichen um die Finanzierung von Bereg, wobei es die Einrichtung inzwischen geschafft hat, einen gewissen Eigenanteil zu erbringen.
Helfen Sie uns mit einer Spende dabei, auch in Zukunft Kindern und Jugendlichen eine Chance für ein Leben jenseits von Straße, Kriminalität und Drogen zu bieten.
